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Archive for Februar 2008

Politische Randgruppen haben eine lautstarke, aggressive Anti-Miegel-Kampagne losgetreten, in der sie Agnes Miegel als Nazi-Dichterin verurteilen wollen und auf die Umbenennung von Straßen und Schulen drängen, die noch ihren Namen tragen.

Wir wissen, dass Agnes Miegel sich leider für Hitler begeisterte und schließlich sogar der NSDAP beitrat. Wir wissen aber auch, dass ihre Huldigungsgedichte an Hitler rein emotionaler Natur sind und nichts von seiner Ideologie verherrlichen. Es finden sich keine Zeichen für Antisemitismus, Hassparolen, Kriegspropaganda, Terror und Gewalt darin. Bekannt ist Agnes Miegels tiefe Religiosität, die auch während der NS-Zeit ihre Lebenshaltung bestimmte. Wir wissen ebenso, dass Agnes Miegel ihr ganzes Leben lang Toleranz und Menschlichkeit propagierte und sich zu einer umfassenden Humanitas bekannte, so wie sie es in ihrem Spruch für den Ostdeutschland-Gedenkturm in Schloss Burg an der Wupper schrieb: „nichts als den Hass zu hassen“. Dieses Bekenntnis ist umfassender und beeindruckender als ein Bekenntnis zu irgendeiner Ideologie oder Staatsform, so ein Aufruf tut wohl jeder Zeit und Epoche not. Auch der russische Dichter Sem Simkin, der viele Gedichte von Agnes Miegel in russischer Sprache nachgedichtet hat, äußerte gegenüber der Presse, er hätte nichts Faschistisches in ihren Texten gefunden. Bekannt ist außerdem, dass das Entnazifizierungsurteil „unbelastet“ lautete.

Wir in der Agnes-Miegel-Gesellschaft bemühen uns um eine Klärung ihrer Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus. Etliche Mosaiksteine für eine wahrheitsgetreue Sicht auf diese Jahre fehlen aber noch und müssen mühsam gesucht werden. Es darf nicht um ein schablonenhaftes Schwarz-Weiß-Denken gehen. Letztlich ist jedes menschliche Leben ein verschlungenes Labyrinth mit Widersprüchen und Fragezeichen, „die gemach enträtselnd wir begreifen / erst im Lichte Seiner Ewigkeit“.

Vor allem aber sind wir eine literarische Gesellschaft. Uns geht es um die Dichterin Agnes Miegel, um ihr bedeutendes literarisches Werk, um den unbestreitbaren Rang ihrer Dichtung, die sogar Marcel Reich-Ranicki in den „Kanon der deutschen Literatur“ aufgenommen hat.

Im Zusammenhang mit der öffentlichen Kontroverse um Agnes Miegels Namen ließ der Sender Nordwestradio es sich angelegen sein, eine Live-Sendung mit einer Debatte um den Schulnamen in Wilhelmshaven zu produzieren und lud mich als Vorsitzende der Agnes-Miegel-Gesellschaft dazu ein. Als erfreulich ist dabei zu verbuchen, dass es dem Sender darum ging, beide Seiten zu Wort kommen zu lassen. Erfreulich war bei der Sendung auch das sehr sachliche Gesprächsklima und der kollegiale Umgang aller Gesprächsteilnehmer miteinander – eben einmal nicht der emotional aufgeladene Streitton, der sonst diese Kontroverse beherrscht.

Marianne Kopp

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